Wo Hansa draufsteht – Serie: Gotland, mehr als nur ein Kalkstein-Plateau (Teil 2/10)

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Gotland mit der G-Klasse. © Foto: Dr. Peer Schmidt-Walther, Aufnahme: Rostock, 5.2.2022, 18:16 Uhr

Gotland (Roads’R’Us). Schauplatz Rostock-Seehafen. Nicht unbedingt das Traumwetter, um eine Seereise anzutreten: Temperatur zwar knapp über fünf Grad, aber der eisige West-Wind lässt einen erschauern. Jetzt nach Norden? Wer´s vernimmt, schüttelt nur den Kopf.

Ein seit dem 30. August 2021 noch relativ frisches Spur-Schild leuchtet voraus über einem Abfertigungsschalter: VISBY. Genau da wollen wir hin! Aber auch noch ein paar andere Hartgesottene aus ganz Deutschland, wie man an den Nummernschildern ablesen kann. Beim Warten kommt man ins Gespräch und erfährt ihre Motive für einen Winterurlaub auf Gotland.

In Visby auf Gotland. © Foto: Dr. Peer Schmidt-Walther, Aufnahme: Visby, 6.2.2022

Ruhe ohne touristischen Rummel in einer faszinierenden Landschaft, die auch noch jede Menge Kultur und Geschichte bietet. Einer hat sogar sein Kajak dabei, um in geschütztem Lee der Insel ihre pittoresken Kalksteinküsten abzupaddeln. Das ist Hardcore pur. Andere wollen wandern und radeln oder den Spuren von Wikingern und Hansekultur folgen. „Es gibt da so viel zu unternehmen“, sagt einer, „dass man Wochen bleiben könnte, ganz ohne Corona-Einschränkungen“. Als Winter-Tourist habe man dazu viele und günstige Möglichkeiten.

Auf der Fähre „Drotten“ von Rostock nach Visby. © Foto: Dr. Peer Schmidt-Walther, Aufnahme: Ostsee, 5.2.2022, BU: Stefan Pribnow

In schwarzen Riesenlettern prangt auf weißem Grund: HANSA, darunter kleiner DESTINATIONS. Mit diesem Markenzeichen gibt sie sich zu erkennen, die rund 200 Meter lange 30.000 BRZ-Fähre MS „Drotten“. Noch ist sie allein im neuen Liniendienst, der zwei Hanse-Metropolen miteinander verbindet. Wie einst Koggen im Mittelalter. Wo Hansa draufsteht, ist also auch Hanse drin, die seit dem 11. Jahrhundert, nach den Wikingern und Goten, den mit 225 Mitgliedern größten Bund im Ostseeraum und darüber hinaus repräsentierte. Fast ist man etwas euphorisch geneigt, darin schon einen Silberstreif am Horizont zu sehen. Doch immerhin gibt es wieder ein lockeres Bündnis, zum Beispiel was die Kreuzschifffahrt betrifft.

Gotland mit der G-Klasse. © Foto: Dr. Peer Schmidt-Walther, Aufnahme: Rostock, 5.2.2022, 18:08 Uhr

Der Mann im Schalterhäuschen kennt uns scheinbar schon, weil er uns mit Vornamen anspricht. Auf die Frage, woher er die schon wisse, antwortet er verschmitzt: „Hab ihr Nummernschild doch gesehen“. Hier wird man quasi handverlesen. Der kleine Konvoi setzt sich in Bewegung. Ruckzuck verschwindet er – im Gegensatz zu den endlosen Schlangen vor den Gedser- und Trelleborg-Fähren – im riesigen Heckmaul der „Drotten“. Klappe zu und ab geht´s durch den Seekanal auf die bewegte Ostsee hinaus.

Die Kabine entpuppt sich als gemütliches Domizil für eine Nacht. Für rund acht Euro gönnen wir uns vom Büffet noch den „Einstieg in die schwedische Küche“: das typische Smörrebröd dick mit Krabben belegt. Dazu noch ein – allerdings mit zehn Euro für 0,3 l sehr teures – „Sleepy Bulldog Pale Ale“ aus Visby, das bekannt ist für seine kleinen Brauereien und exzellentes Bier. Genüsslich speisen lässt sich an den Fensterplätzen, die man jetzt reichlich zur Auswahl hat.

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