„Feuerzangenbowle“ und Goten – Serie: Gotland, mehr als nur ein Kalkstein-Plateau (Teil 1/10)

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Farö. © Foto: Dr. Peer Schmidt-Walther, Aufnahme: Farö, 7.2.2022

Gotland (Roads’R’Us). Kaum tritt man aus dem Haus, ist man Gotland schon sehr nahe: beim Schritt über die Türschwelle. Zumindest ist das so im mittelalterlichen Stralsunder Heilgeistkloster 7. Sie nämlich besteht aus hartem gotländischen Kalkstein, der durchsetzt ist mit Millionen von Jahre alten Fossilien.

Auf rund 176 Kilometer Länge und 50 Kilometer Breite ballt sich Erstaunliches zusammen: Naturwunder, Geschichte und Weltkulturerbe, 60.000 Schafe, aber nur 60.200 Menschen. Und das auf einer Fläche, die dreieinhalb Mal so groß ist wie Berlin und 55 mal wie Stralsund.

Farö. © Foto: Dr. Peer Schmidt-Walther, Aufnahme: Farö, 7.2.2022

Entstanden vor rund 430 Millionen Jahren im Erdaltertum. Damals war es auf der Erde wärmer als heute. Im tropischen Silurmeer lebten viele Kleinlebewesen wie zum Beispiel Korallen. Als sie abstarben, sanken sie auf den Meeresboden. Mit Schlamm, Salz und Algen wurden sie zu einer Sedimentschicht verbacken, die immer höher wuchs und einen gewaltigen Druck erzeugte. Im Laufe der Zeit wurde daraus eine mehrere hundert Meter hohe Schicht. Als sich vor rund 10.000 Jahren die bis zu drei Kilometer mächtigen Gletscherpanzer der Eiszeit zurückzogen, wurde das Land entlastet und hob sich – sogar heute hält das noch an – bis jetzt 82 Meter hoch, schneller als der Meeresspiegel anstieg. Diese Zeit, das Silur oder „Gotlandium“, war die Geburtsstunde der Insel Gotland, an der heute die Wellen der Ostsee nagen und gemeinsam mit der Witterung fantastische Formen in den Kalkstein fräsen.

Gotland. © Foto: Dr. Peer Schmidt-Walther, Aufnahme: Gotland, 6.2.2022

Alle Welt kennt den Film „Die Feuerzangenbowle“. Aber wie hängen der und Gotland zusammen? Bestimmt tauchen jetzt aus den Babenberger Punsch-Nebeln sofort Studienrat Dr. Brett und der Oberprimaner Rudi Knebel auf. In dieser Geschichtsstunde geht es um die Frage nach dem Ursprung der Goten, einem germanischen Stamm. Johannes Pfeiffer führt schließlich seinen in Not geratenen Klassenkollegen per Taschenspiegel über die Wandkarte zu Schwedens größter Insel, zweitgrößte der Ostsee nach dem dänischen Seeland.

Wir sind gespannt auf die Begegnung mit dem Land der Goten. Vielleicht kann man auch in ein paar Erkundungstagen einen Eindruck davon bekommen, warum Ingmar Bergman die Insel Farö zu seiner Wahlheimat machte und Pippi Langstrumpfs „Villa Kunterbunt“ steht. Neugierig geworden?

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