Kampieren in Migranten-Metropolen – Zum Wegwerf-Buch „City Camping“ von Isabel Kleine

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"City Camping" von Isabel Kleine. © Delius Klasing

Berlin, Deutschland (Roads’R’Us). Daß Städtetourismus immer noch ein wichtiges Bein der Reise-Industrie ist, vor allem der Hotellerie und Gastronomie, das ist auch in Zeit repressiver Maßnahmen in Apartheidstaaten klar und wahr. Reisende lassen sich von den ganz großen Großstädten auch nicht dadurch abhalten, daß diese längst zu Migranten-Metropolen verkommen sind.

Ganz im Gegenteil, viele finden Umvolkung famos, vor allem diejenigen, die sich gute Häuser für Übernachtungen sowie Speis und Trank im Grunde genommen nicht leisten können. Manche mit viel Geld wollen das Kampieren in Migranten-Metropolen so und nicht anders. Sie gönnen sich in der Regel Wohn- und Reisemobile sowie Plätze zu allen aufgerufenen Preisen in besten Lagen.

Ein paar gute Plätze scheint auch Isabel Kleine zu kennen. Sie gibt in ihrem 176 Seiten umfassen Buch mit 237 Fotografien und Abbildungen Hinweise auf Stell-, Speis-und-Trank-Plätze in Städten von A wie Amsterdam bis Z wie Zürich. Wohl wahr, daß Großstädte wie Zürich und Dresden, Danzig und Genf keine Metropolen sind, weswegen der Untertitel „mit Zelt und Wohnmobil in die Toplagen der Metropolen“ deplatziert ist. Danzig oder Dresden weltstädtischem Charakter anzudichten, das ist selten dämlich. Zwar verfügt Zürich über das Metropol, an dessen Champagnerbar Vertreter von Bourgeoisien aus vielen Staaten anzutreffen sind, doch wegen der Bankster-Gangster am Zürichsee die durchaus pulsierende Großstadt für große und kleine Kapitalisten und deren Profite zu Metropole aufzublasen, das ist blöde.

Doch das sind nicht die einzigen Schwächen in Kleines Buch. Wer in Hamburg als Stellplatz nur Elbe-Camp zu nennen weiß und für Budget-Esser das Café Panther und das Tibet-Restaurant sowie für Vom-Feinsten-Schmauser nur das Restaurant Jellyfish, der scheint von Tuten und Blasen keine Ahnung zu haben. Keine!

Für Berlin sieht das Hingeschmierte noch viel hundsmiserabler aus. „Budget“-Esser? Das Restaurant Monsieur Vuong wird erwähnt und mehr nicht. Das ist beschämend. Daß für Besseresser ohne Bemerkung „Budget“ nur das Restaurant Tulus Lotrek plus das Restaurant Nobelhart und Schmutzig empfohlen wird, das ist reiner Blödsinn. Das sind keine „Insider-Tipps“, das sind Frechheiten.

Für jedes Kapitel der von Klein gelisteten „Metropolen“ könnte ich die Griffe ins Klo nennen, doch das schenke ich mir. Sie sollten sich diesen Buch ersparen. Nebenbei bemerkt: Wer diese schlechte Buch nicht Schund nennt, der ist eine Werbenutte und Trendhure.

Bibliographische Angaben

Isabel Kleine, City Camping, Mit Zelt und Wohnmobil in die Toplagen der Metropolen, 176 Seiten, 237 Fotos und Abbildungen, Format: 16,6 x 24 cm, Bindung: Klappenbroschur, Verlag: Delius Klasing, Bielefeld, 1. Auflage, 2022, ISBN: 978-3-667-11689-5, Preise: 24,90 EUR (Deutschland), 25,60 EUR (Österreich)

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