Zusammengeklatschte Erlebnisaufsätze für Dummdeutsche – Eine Marginalglosse zum langweiligen Bilderbuch „Die schönsten Motorradtouren in Westeuropa gefahren und beschrieben von bekannten Motorradjournalisten“

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Jo Deleker, Andreas Hülsmann, Heinz Studt, Markus Golletz: "Die schönsten Motorradtouren in Westeuropa gefahren und beschrieben von bekannten Motorradjournalisten" © Bruckmann

Berlin, Deutschland (Roads’R’Us). Dass die meisten Leute in deutschen Landen, die sich für Journalisten halten, vor allem für Auto- und Motorradjournalisten, selten Probleme auf dem Asphalt bundesdeutscher und anderer Autostraßen, wo viele forsch unterwegs sind, lösen müssen, aber beim Schreiben scheitern, das wissen wir. Flott fahren und formulieren, das sind zwei Paar Schuhe, von famos ganz zu schweigen.

Maßlose Selbstüberschätzung wird im Verkehr schneller bestraft als in Verlagen. Das ist ist nicht nur schade, sondern eine Schande, dass Redakteure Reportern gestatten, schwere Maschinen und eine leichte Sprache zusammenzukleistern.

Viel Hubraum und wenig Hirn, das zeichnet die meisten Auto- und Motorradjournalisten aus. Statt sprachgewaltig zu Bericht zu geben, wir der Sprache Gewalt angetan. Mehr als einen Zylinder zünden, aber keine zündende Idee für mehr als eine Darstellungsform, das zeichnet Auto- und Motorradjournalisten aus. Auch aus dem inhaltlich dünnen Buch „Die schönsten Motorradtouren in Westeuropa gefahren und beschrieben von bekannten Motorradjournalisten“ tropft es nur so vor überflüssigen, unlogischen oder verschleiernden Wörter und Floskeln.

Irre wie wirre Worte und Wendungen sollen wohl modern wirken, aber sie beweisen nur die Beschränktheit ihrer Benutzer. Hirn unter dem Helm scheint Mangelware. Dafür sind die Seiten massig voll mit Motorräder von oben und unten, von vorne und hinten und beiden Seiten. Richtig, das Buch ist mehr ein Bilderbuch mit wenigen guten, dafür umso durchschnittlicheren Fotografien, verhunzt mit schmalen und schalen Texten. Wer`s mag.

In den Texten fast aller Auto- und Motorradjournalisten dominiert schlichtes Deutsch. Deren Bücher und Broschüren sind voll mit langweiligen Besinnungsaufsätzen und allüberall dominiert der Ich-Erzähler. Vom Feeling und Bike wird von Autoren, die nie einen Deutsch-Leistungskurs von innen gesehen haben, gefaselt, von Land und Leuten geschwärmt, ohne die en passant gesehene Gegenwart und ihre Geschichte auf den Begriff bringen und anschaulich erklären zu können. Husch und hurtig wird durch die Gegend gefahren, ein paar vom Hörensagen bekannte Sehenswürdigkeit werden abgefahren, haltgemacht und aufgenommen, das war`s. Ahnung vom Ölwechsel mögen die Autoren haben, vom Wechsel der Zeitformen, dem Wechseln von einer personalen zu einer auktorialen Erzählsituation und so weiter und so fort ganz offensichtlich keine.

Wie arm im Geiste muss jemand sein, dem es mitzuteilen reicht, dass „die Mopeds und wir ein wenig Action“ bräuchten, „Berge ins Visier“ genommen werden würden oder „mein Single … wieder Single Tracks zum Frühstück“ bekomme und das unter der Zwischenüberschrift „Faszinierendes Cornwall“, über das der Leser höchstens einen Hauch liest, aber nicht wirklich Ereignisreiches und Erlebenswertes erfährt. Alle 20 „Highlightstrecken“ (sic!) werden als Erlebnisaufsätze für Dummdeutsche präsentiert. Peinlich!

Die eine oder andere Ausfahrt und Wegstrecke ist – keine Frage – für Motorradfahrer, die das Magazin Roads’R’Us kennen und köstlich finden, durchaus empfehlenswert.

Die abgebildeten Übersichtskarten sind in der dargebotenen Form für Motorradfahrer nicht sachdienlich und bieten nur grob eine bescheidene Übersicht, die Reiseinformationen sind mehr schlecht als recht. Ob wenigstens die Daten eines globalen Navigationssatellitensystems zur Positionsbestimmungaugen taugen, das ist in der Redaktionsstube nicht überprüfbar.

Bibliographische Angaben

Jo Deleker, Andreas Hülsmann, Heinz Studt, Markus Golletz, Die schönsten Motorradtouren in Westeuropa gefahren und beschrieben von bekannten Motorradjournalisten, 168 Seiten, ca. 170 Abbildungen, Format: 22,7 x 27,4 cm, fester Einband, Verlag: Bruckmann, München, 1. Auflage, 20.11.2020, ISBN-13: 978-3-7343-2001-9, Preis: 29,99 EUR (Deutschland)