„Drôme Aktiv“ – Eine Motorradpressereise an die Drôme

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© Foto: Dr. Bernd Holstiege, 2013

Avignon, Frankreich (RoadsRus). In das Departement Drôme führte diesmal eine Motorradpressereise, die Jochen Ehlers von Endurofun Tours in Zusammenarbeit mit dem Touristikbüro Drôme veranstaltete. Die Drôme, es reicht von Lyon bis Avignon, ist bei uns im Gegensatz zu dem Departement Ardeche, das an der Rhone gegenüberliegt, weniger bekannt, aber umso mehr eine Reise wert. Ähnlich wie die Ardeche ist sie ein Zentrum des Weinbaus mit Spitzenweinen, des Cotes du Rhones, des Olivenbau, der Lavendelfelder, des Ziegenkäses, des berühmten Picodons, der Mandelbäume, des Nougats und der Trüffel.

Es waren noch andere Erlebnisse integriert, nämlich eine Elektro-Fahrrad-Tour durch die Weinberge von Tain L’Hermitage, eine Schlauchbootfahrt auf der Drôme, nach der das Departement bezeichnet wurde, und als „Sattelwechsel“ ein kleiner Ritt zu Pferde.

Zur Hinfahrt mit meiner Hyosung Aquila 650 nahm ich mir zweieinhalb Tage Zeit, ich wollte noch durch die Vogesen über den Grand Ballon und dann schräg durch die Landschaft bis hinunter nach Tain. Am Nachmittag des ersten Tages fuhr ich bis Freiburg, wo ich einen Freund besuchte, und wir in vergangenen Erlebnissen schwelgten.
Am nächsten Tag machte ich Fotos in Breisach und Colmar, aber verzichtete infolge schlechten Wetters auf den Abstecher über den Grand Ballon, sondern fuhr über Belfort, in dessen Baustellen ich mich verfranzte, bis Baume les Dames, einem romantischen Städtchen an der Doubs, wo ich im Hotel Central wie vor einigen Jahren übernachtete.

Am nächsten Morgen fuhr ich über Bundesstraßen, ab Lyon, das ich links liegen ließ, landschaftlich wunderschön an der Rhone entlang bis nach Tain L’Hermitage, wo ich schon um 14:30 Uhr ankam. Das hübsche Hotel Les Deux lag malerisch an der Rhone, die reißend Hochwasser führte, an einer Fußgängerbrücke, gegenüber dem Departement Ardeche. Dahinter erhoben sich die Weinberge.

Es gab mir genügend Zeit über die Fußgängerbrücke das gegenüberliegende Ufer von Tournon-sur-Rhone zu erkunden und an einem malerischen Motorradtreff einen Cappuccino zu trinken. Nach und nach trafen die anderen Teilnehmer ein, insgesamt waren wir acht Motorradfahrer, die ich zum Teil schon kannte.

Am ersten Tag ging es mit dem Elektrobike von der Weinhandlung von Fabien Luis aus durch die Weinberge von Tain bis zur berühmten Kapelle. Hermitage ist eine der vorzüglichsten Lage an der ganzen Rhone, dem größten Weinanbaugebiet Frankreichs, dem Cote du Rhone mit den Rebsorten Syrah, Marsanne, Roussanne und andere mehr. In den Flachstücken wurden vorzügliche Aprikosen angebaut. Auf den sonnigen Terrassen des Rhonetal gedeihen die wohlschmeckensten und wohl strukturiertesten Weine. Wir genossen den Elektroschub des Bikes und den Ausblick über die Weinberge an die Rhone. In der Weinhandlung durften wir allerdings nur einige Tropfen des vorzüglichen Weines probieren, als Rotweine einen Grenache noir und einen Syrah und als Weißweine einen Clairette blanc und Rousanne. Na, wir bedauerten, mit dem Motorrad unterwegs zu sein.

Anschließend fuhren wir mit den Motorrädern mit vollem Gepäck über Alixan in die Berge des Vercorsmassivs, ein durch den späten Frühling immer kargeres Gebirge bis 2400 m hoch. Pass reihte sich an Pass (Col de Tourniol, Combe Laval, Kaffepause am Col de la Machine, Col de Rousset), wenn auch nur bis 1300m hoch, mit atemberaubenden Felsformationen und Abgründen. Man konnte recht gut die Klimazonen studieren, vom grünsprießenden Rhonetal, in diesem Jahr spießte wie bei uns alles auf einmal bis zu den schneebedeckten Bergen am Horizont. An manchen Hängen klebten die Dörfer, ein abwechslungsreiche Landschaft mit Weinbergen, Lavendelfeldern und Obstbäumen und -plantagen. Hier war das Rückzuggebiet der Resistance, der französischen Widerstandsbewegung im 2. Weltkrieg, an deren Mahnmalen wir vorbei gekommen sind.

Verspätet gelangten wir an den Ausgangspunkt unserer Schlauchbootfahrt in Saillans. Wir fuhren im Bus mit Anhänger 13 km die Drôme aufwärts, und dann ab hinein ins Vergnügen.

Die Drôme führte reichlich Wasser, so dass die Fahrt eine Stunde statt zweieinhalb Stunden dauerte. Es spritzte und gurgelte, ab und zu musste der Führer das Boot wieder flott machen, und wir paddelten nach Leibeskräften. Nach einem Umtrunk fuhren wir weiter bis zu unserem Hôtel la Petite Auberge in Die an der Drôme. Die Stadt ist weit über die Grenzen durch die Transhumance bekannt, wo nach einem uralten Brauch Ende Juni mitten durch die Stadt Tausende von Schafen auf die Alm getrieben werden. Wir sahen ein ausgewildertes Geierpärchen seine Kreise ziehen. Die ist von Weinbergen umsäumt, alles hervorragende Lagen.

In der La Petite Auberge übernachteten wir und genossen ein vorzügliches Abendessen mit hervorragenden Weinen, vor allem den Clairette Die. Bei Jean-Claude Raspail bestellt laut Frederic sogar Renate Künast von den Grünen ihre Weine. Dann muß sie Weingeniesserin sein.

Am nächsten Tag trafen wir uns an dem Campingplatz Les Foulons in Luc-en-Diois mit Hugues, der uns auf der weiteren Fahrt durchs Valdrome über den Col de Carabes bis zur Quelle der Drôme begleitete: Anschließend fuhren wir über den Col de Cabre und Remuzat durch einen atemberaubenden Canyon nach Crupies in das Hotel Moulin de Crupies, einer ehemaligen ausgebauten Mühle.

Das Hotel wird von dem Schweizer Ehepaar, Daniela und Hansruedi Rohrbach, geführt, die uns freundlich mit einem vorzüglichen Essen bewirteten und zugleich eine Winzerin Audrey Chauvin und Käsehersteller Herve Barnier aus der nahen Umgebung eingeladen hatten. Beide berichteten, sie führten ihr Unternehmen in einem Familienbetrieb, die Winzerin von der Produktion bis zum Vertrieb in einer Hand, während ihr Vater noch den Wein an die Genossenschaft abgegeben hatte. Der Ziegenkäsehersteller hielt sich seine eigenen Ziegen, über 400 Stück, aus denen er seinen eigenen Käse herstellte. Durch Stoppen der Fermentierung und durch Lagerung stellt er aus einem Fromage blanc die verschiedenen Käsesorten unter anderem die berühmten Picodons (AOC) her. Uns verblüfften bei völlig verschiedenen Produkten die ähnlichen Abläufe in der Wein- und Käseherstellung.

Am nächsten Tag fand ein Stattelwechsel statt, ein Ausritt. Zuerst mussten wir die Pferde abbürsten und die Hufe auskratzen, erst dann konnten wir sie besteigen. Auf dem Ausritt liebte mein Pferd Gras zu fressen, trabte anschließend hinterher, so daß ich als unerfahrene Reiter mich mit Mühe oben halten konnte, für einen Reiter kein besonderes Erlebnis, für uns schon.

Anschließend fuhren wir nach Nyons. Es liegt in einem Talkessel wunderschön am Eygues. Diesen überspannt eine alte Brücke neben einer Olivenmühle am Rande der Altstadt, die auf das 13. Jahrhundert zurückgeht, mit dem mittelalterlichen Stadttor und dem Glockenturm. Durch sein mildes Klima wird es auch Klein-Nizza genannt. Es ist das Zentrum des Olivenbaus („AOC“, die kontrollierte Herkunftsbezeichnung) mit 260000 Olivenbäumen und von Lavendelfeldern umgeben, mit einer eigenen Distellerie „Prov. Bleu“. Jedes Jahr wird mit großem Pomp das Olivenfest gefeiert.

Wir besichtigten die Manufaktur La Scourtinie. www.scourtinerie.com Sie ist die letzte Manufaktur, die noch die »Scourtins de Provence« herstellt. Scourtins sind Filter aus Pflanzenfasern, die ursprünglich der Gewinnung von Olivenöl dienten – die zermahlene Fruchtmasse wurde zwischen den Matten ausgepresst. Heute werden auch dekorative Untersätze und kleine geflochtene Teppiche hergestellt. Wir konnten zusehen und ein wenig mitwirken, wie über lange Förderbänder die Scourtins hergestellt wurden. Leider wirkte die Fabrik ziemlich herunter gekommen, soll aber zu ein Museum ausgebaut werden. Am Rande der sehenswerten Altstadt von Nyons aßen wir zu Mittag, bevor wir zum Gipfelsturm auf den Mt.Ventoux aufbrachen.

Der Mt. Ventoux ragt beeindruckend über dem Rhonetal weithin sichtbar über 1900 m hervor und über ihn führt öfter die Tour de France. Ich war vor drei Jahren schon über seine beeindruckende Mondlandschaft hinweg gefahren. Die Hinfahrt ereignete sich etwas komplikationsreich, indem wir Jochen, den Führer, auf winzigsten Sträßchen verloren und per Navi auf gut fahrbaren Straßen gen Gipfel fuhren. Der obere Gipfel war gesperrt, so dass wir an der Absperrung umkehren mussten und weiter nach Mollans-sur-Ouvez zu unserem Hotel Saint Marc fuhren.

Na, wie üblich genossen wir ein hervorragendes Abendessen und sprachen zum Abschied vermehrt den hervorragenden Weinen zu, einem Cinsault noir und einem Carignan noir und als Weißwein ein Marsanne.

Mollans ist ebenfalls ein romantischer Ort, durch den die Ouvez fließt.

Am nächsten Morgen nahmen wir Abschied voneinander, und jeder fuhr für sich alleine nachhause. Ich fuhr in einem Rutsch hauptsächlich über Bundesstraßen. An der Doubs, südlich der Vogesen, fuhr ich noch das romantische Doubstal entlang.

Jochen Ehlers hat die Tour hervorragend geführt. Deswegen fahre ich schon zum 4. Mal mit ihm, 2 mal an die Ardeche, einmal mit Korsika, und ein Mal ins Departement Gard. Jeweils hatte ich mir Maschinen geliehen, diesmal bin ich mit einer Eigenen, einer Hyosung Aquila 650, die sich bewährt hat. Die Zeit war für die Drôme viel zu kurz, wie immer bei einer Pressereise, praktisch nur zum Kennenlernen. Aber die Drôme ist eine Reise wert.

Infos:

Jochen Ehlers von Endurofun Tours veranstaltet auch Gruppen und Firmenreisen onroad und offroad in Südfrankreich und Mecklenburg. Email: info@endurofuntours.com, Telefon: 0049 – 4825 1695

Das Tourismusbüro der Drome: www.ladrometourisme.com/de, Frau Benedicte Seguret, Email: b.seguret@ladrometourisme.com

Anmerkung:

Der Beitrag von Dr. Bernd Holstiege wurde am 29. Mai 2013, um 12:17 Uhr MEZ, im WELTEXPRESS erstveröffentlicht.

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