Carglass bringt Kameras auf Spur – In München wurde ein eigenes Kalibrierungs-Zentrum eröffnet

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Demonstration der Kalibrierung im Carglass-Kompetenz-Zentrum München. © Carglass

München, Deutschland (RoadsRUs). Ist die Windschutzscheibe kaputt oder auch nur leicht beschädigt – kein Problem, könnte man denken: alte Scheibe raus, neue rein – fertig! Das war mal so. Bei modernen Fahrzeugen, die mit kamerabasierten Fahrer-Assistenzsystemen wie zum Beispiel dem Spurhalteassistenten, einer Nachtsichtkamera und dem automatischen Notbremssystem ausgestattet sind, kann sich dieser Tausch als echte Herausforderung für die Reparaturbetriebe herausstellen.

Da die Kamera direkt hinter der Scheibe sitzt, muss sie nach dem Scheibentausch kalibriert werden – das heißt, sie muss korrekt in die Grundeinstellung zurückversetzt werden. Nur so kann sie einwandfrei funktionieren. Das heißt aber, das Fahrzeug muss es auf einen Prüfstand, wo die Kamera per Laser, Diagnosegerät und Messtafel justiert wird. Das funktioniert aber nur, wenn sich die Achsen in einer korrekten Stellung befinden, wenn also die Achsgeometrie stimmt.

Diese Genauigkeit ist erforderlich, um selbst minimale Abweichungen des Kamerawinkels auszuschließen. Nur ein Beispiel: Differiert der Kamerawinkel nach dem Neueinbau nur um ein Grad, kann das in einer Distanz von 100 Metern zu Abweichungen bis zu 1,75 Metern führen und gravierende Folgen für die Präzision der Assistenzsysteme und damit für die Sicherheit haben.

Ein Experte auf dem Gebiet von Reparaturen und Neueinbau von Fahrzeugscheiben ist die Firma Carglass, die deutschlandweit aktiv ist und bereits seit vier Jahren mit speziellen Geräten und gut geschulten Mitarbeitern die komplizierte Kalibrierung vornimmt. Ein Problem dabei ist, dass es neben verschiedenen Fahrzeugmarken eine Vielzahl von Ausstattungsmöglichkeiten gibt. Und ständig kommen auf dem Weg zum autonomen Fahren neue Fahrer-Assistenten auf den Markt.

Auch darauf ist man bei Carglass eingestellt: Eine stets auf dem neuesten Stand gebrachte Datenbank mit den Kalibrierungs-Anforderungen der Fahrzeughersteller ermöglicht es, die Scheiben unterschiedlichster Modelle fachgerecht instand zu setzen. Dafür hat Carglass in den letzten beiden Jahren 4,6 Millionen Euro investiert. So ist Carglass heute schon in der Lage, 97 Prozent aller Fahrzeugscheiben mit Kamerasystemen zu kalibrieren.

Nachdem die Entwicklung immer neuer Systeme, die auf Kameras hinter der Windschutzscheibe angewiesen sind, stetig voranschreitet, hat sich Carglass entschlossen, ein eigenes Kompetenz-Zentrum für Kalibrierung einzurichten. Es wurde vor wenigen Tagen eröffnet – als Forschungs- und Entwicklungszentrum zur Optimierung der Fehlerdiagnostik und die Erprobung neuer Werkzeuge fürs Kalibrieren sowie als Schulungszentrum mit 16 Technik-Coaches für die Mitarbeiter der 345 Service-Center in Deutschland.

Carglass will damit sicherstellen, dass jede Kalibrierung genauestens nach den jeweiligen Herstellervorgaben erfolgt. Mit der Rechnung bekommt der Kunde ein entsprechendes Protokoll über die exakte Kalibrierung der Kamera. So können im Falle eines Unfalls falsch eingestellte Fahrer-Assistenzsysteme als Ursache ausgeschlossen werden. Aber eines ist auch klar: Die komplizierte Neueinstellung kamerabasierter Sicherheitssysteme macht den Tausch der Windschutzscheibe teurer.

Zwar übernimmt die Teilkaskoversicherung Schäden am eigenen Fahrzeug, die durch Glasbruch verursacht werden. In der Scheibe befindliche Sensoren oder andere Technik werden bei der Reparatur ebenfalls vom Versicherer erstattet, wenn sie sich nicht separat austauschen lassen, sondern untrennbar mit dem Glas verbunden sind. Das heißt aber, dass die zusätzlichen Kosten für die Kalibrierung nicht übernommen werden müssen, wenn die Kamera kein fester Bestandteil der Scheibe ist. Dann ist der Fahrzeugbesitzer durchaus mit einigen Hundert Euro dabei.

Anmerkung:

Der Beitrag von Eva-Maria Becker wurde im WELTEXPRESS am 28.5.2019 erstveröffentlicht.