Sonntag, 24/9/2017 | 11:14 CEST
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Weltweit erste leichte und schwere Lkw mit Elektroantrieb – Daimler präsentierte die neuen Fahrzeuge auf der IAA Nutzfahrzeuge in Hannover

Berin, Deutschland (RoadsRus). Der Mercedes-Benz Urban eTruck ist der erste voll elektrische schwere Lkw mit einem zulässigen Gesamtgewicht von bis zu 26 Tonnen – damit steigt Daimler auch bei den Trucks in die Elektromobilität ein. Auf der IAA Nutzfahrzeuge in Hannover hat Daimler ein solches Fahrzeug, aber auch einen neuen leichten E-Lkw präsentiert.

Schlechte Luftqualität, hoher Lärmpegel: Immer mehr Städte erlassen Einfahr-Beschränkungen in ihre Zentren, um die Bevölkerung vor Abgas- und Geräuschemissionen der Fahrzeuge zu schützen. Doch weltweit leben mehr Menschen in Städten als auf dem Land, in allen großen westeuropäischen Ländern liegt der Anteil der Stadtbevölkerung bei rund 70 Prozent.

Diese Menschen, aber auch Industrie, Handel und Gewerbe in der Stadt wollen bestens versorgt werden – das ist nur im Verteilerverkehr möglich, und zwar mit dem Lkw. Einzige Möglichkeit, den Widerspruch zu lösen, ist ein abgasfreier Flüster-Lkw. Einen solchen hat Daimler nun präsentiert.

Lange galt es als undenkbar, einen Lkw von einem E-Motor antreiben zu lassen. Doch es wird erwartet, dass die Batteriekosten – bezogen auf das Jahr 1997 – bis 2025 um voraussichtlich 60 Prozent sinken, die Leistung aber im gleichen Zeitraum um 250 Prozent steigen wird. Die Entwickler bei Daimler gehen davon aus, den Urban eTruck Anfang des nächsten Jahrzehnts auf den Markt zu bringen – dann kann also auch ein schwerer Lkw im städtischen Verteilerverkehr lokal emissionsfrei und flüsterleise fahren.

Die Fahrzeugbasis für den Urban eTruck bildet ein schwerer dreiachsiger Verteiler-Lkw von Mercedes-Benz. Statt eines konventionellen Antriebsstrangs sind zwei Elektromotoren unmittelbar neben den Radnaben an der Hinterachse installiert. Die E-Motoren bringen jeweils 125 kW und ein maximales Drehmoment von jeweils 500 Newtonmetern (Nm) – beziehungsweise zweimal 11 000 Nm nach Übersetzung. Dieses maximale Drehmoment steht vom Start weg zur Verfügung, so dass der Urban eTruck eine hohe Fahrdynamik entwickeln kann.

Für die Energieversorgung sind Lithium-Ionen-Batterien mit einer Gesamtkapazität von 212 kWh sicher innerhalb des Leiterrahmens installiert. Sie sorgen für eine maximale Reichweite von bis zu 200 Kilometern. Das ist laut Daimler völlig ausreichend für eine typische Tagestour im Verteilerverkehr. Die vollständig entleerten Batterien lassen sich nach Angaben der Entwickler per Schnellladung in zwei bis drei Stunden wieder vollständig füllen.

Zudem nutzt der Urban eTruck im Fahrbetrieb die Rekuperation zur Aufladung, also die Umwandlung von Bremsenergie in Strom. Beim Bremsen dienen die Elektromotoren als Generatoren und können die Batterien nachladen. Trotz des zusätzlichen Gewichtes durch den Elektroantrieb – damit bringt das Fahrzeug insgesamt 1,7 Tonnen mehr als ein Lkw mit Verbrenner auf die Waage – ist die Nutzlast des 26-Tonners lediglich um 700 Kilogramm geringer als bei einem vergleichbaren herkömmlichen Lkw.

Vom Fuso eCanter der dritten Generation des Elektro-Canter wird eine Kleinserie aufgelegt. ©

Vom Fuso eCanter der dritten Generation des Elektro-Canter wird eine Kleinserie aufgelegt. ©

Bereits seit 2014 hat Daimler seine Fuso Canter E-Cell – das sind leichte Lkws mit E-Antrieb – in verschiedenen Ballungszentren probeweise im Einsatz. Seit April 2016 testen die Stadt Stuttgart und der Paket-Dienstleister Hermes fünf dieser Fahrzeuge in Deutschland. Per Schnellladung kann die geleerte Batterie des Sechstonners in nur einer Stunde auf 80 Prozent der maximalen Kapazität geladen werden. Die Reichweite des Fuso Canter E-Cell liegt bei etwa 100 Kilometern. Die Ergebnisse der Praxistests haben gezeigt, dass sich mit dem Fahrzeug rund 1000 Euro auf 10 000 Kilometern im Vergleich zu einer Dieselversion sparen lassen. Außerdem lagen die Wartungskosten um etwa 30 Prozent niedriger.

Auf der IAA Nutzfahrzeuge in Hannover hat Mercedes-Benz nun die dritte Generation des weltweit ersten rein elektrisch angetriebenen leichten Lkw vorgestellt: der Fuso Canter E-Cell wurde zum Fuso eCanter. Von diesem Fahrzeug wird eine Kleinserie aufgelegt, die einen wichtigen Schritt auf dem Weg zur Serienfertigung darstellt. Ab 2017 sollen die eCanter an Kunden in Europa, USA und Japan ausgeliefert werden. In die Entwicklung des eCanter, der sich technisch deutlich vom Vorgänger unterscheidet, sind auch Erkenntnisse aus der Kundenerprobung eingeflossen.

Der Fuso eCanter soll nicht nur die Innenstädte von Abgas- und Geräuschemissionen entlasten, sondern auch wirtschaftlich eine attraktive Alternative zum Dieselmotor darstellen – das wird nicht zuletzt durch die gesunkenen Technologiekosten für Batterien und Komponenten möglich. Als Antrieb fungiert ein Permanent-Synchron-Elektromotor mit einer Leistung von 185 kW/252 PS sowie einem Drehmoment von 380 Nm. Die Kraft wird über ein Einganggetriebe an die Hinterachse übertragen.

Das IAA-Premieren-Fahrzeug verfügte über eine Batteriekapazität von 70 kWh. Je nach Aufbau, Beladung sowie Einsatzprofil ist damit eine Reichweite von mehr als100 Kilometern ohne stationäres Nachladen möglich. Für die Kleinserie sind individuelle Batteriesätze mit drei bis sechs Batteriesets à 14 kWh geplant. Damit lässt sich der eCanter an die jeweiligen Kundenbedürfnisse in punkto Reichweite, Preis und Gewicht anpassen. Dieses Konzept basiert auf der in Kundentests gewonnenen Erkenntnis, dass manche Kunden weniger Reichweite, dafür aber mehr Zuladung benötigen, während andere zugunsten von mehr Reichweite, die durch mehr Batteriesets erreicht wird, auf Zuladung verzichten können.

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